Marwari – 7 Fakten zu den heiligen Pferden Indiens (2023)

Ein Blick auf die Ohren und schon ist klar: Das ist ein Marwari. Früher waren die Rasse als Kriegspferd begehrt, heute ist sie ein Statussymbol – und in ihrer Heimat eine Legende auf vier Hufen. Sieben spannende Fakten zu den heiligen Pferden Indiens.

In Indien wurden Marwaris früher als Götterwesen verehrt, durften nur von der Kriegerkaste geritten werden. Und bis heute haben ihre Mythen und Legenden einen Platz im Leben der Menschen. Außerhalb ihrer Heimat gibt es dagegen kaum Marwaris. Doch wer einmal diese Pferde mit den herzförmigen Ohren gesehen hat, vergisst sie nie wieder…

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Wenn Du mehr über die heiligen Pferde Indiens wissen möchtest – hier kommt das etwas andere Rasseporträt:

1. Selbst die „Geburt“ des Marwari ist ein Mythos

Noch heute heißt es in Indien: Die Marwaris stammen von den Göttern ab! Laut Legende formten sich nämlich aus den Tränen eines weinenden Gottes ein Hengst und eine Stute – sie waren die ersten Marwaris.

Nicht ganz so mystisch ist eine andere Geschichte. Danach sank vor etwa tausend Jahren ein Schiff mit außergewöhnlich schönen arabischen Hengsten in der Nähe der indischen Westküste. Die stärksten und glücklichsten Pferde schafften es, an die Küste zu schwimmen. Dort entdeckten die Herrscher von Marwar im heutigen Rajasthan die Tiere – und waren von ihrer Schönheit fasziniert. Daher fingen sie die Pferde ein und brachten sie in ihr Königreich, um mit ihnen ihre eigenen Pferde zu veredeln.

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Ziemlich sicher ist, dass Afghanen und Mogule bei ihrem indischen Feldzug ihre Pferde nach Marwar, das heutige Jodphur, brachten. So kamen deren Pferde zu den Rajputen, den traditionellen Herrschern von Marwar. Das Reitervolk brauchte harte Kriegspferde, die mit einem kargen Boden leben konnten – und nahm daher die Pferde der Feinde in ihre Zucht mit auf.

Neueste DNA-Untersuchungen zeigen dazu, dass der Marwari auch noch von einer viel älteren Rasse abstammt. Der Grund: Die Vorfahren der Bewohner Marwars kamen vermutlich aus Zentralasien und brachten von dort ihre Pferde, zum Beispiel Achal-Tekkiner, mit.

2. Der Marwari entschied Schlachten

Ein Sprichwort aus Rajasthan empfiehlt: „Das Kamel für die Liebe, den Elefanten für das Glück und ein Marwari für den Sieg.“ Das zeigt: Als Kriegspferde sind die Marwaris noch heute legendär. Das spiegelt auch ihr Name wider: Übersetzt heißt Marwari nämlich „aus dem Land des Todes“ – eine Anspielung auf das aufopferungsvolle Wesen.

Die Liste ihrer Heldentaten ist lang. So kämpften Marwaris sogar gegen Elefanten. Dazu stellten sie sich auf die Hinterbeine, um ihren Reitern die Möglichkeit zu geben, mit ihrer Lanze den Krieger auf dem Elefanten zu töten. In historischen Zeichnungen kann man dazu auch eine List erkennen, mit der die Rajputen versuchten, ihre Pferde zu schützen: Sie setzten ihnen Elefantenmasken auf. So als „Babyelefanten“ getarnt, wurden sie von den großen Kriegselefanten nicht angegriffen.

Und auch die Truppen der Jodhpur Lancers verdanken ihren Sieg ihren tapferen Pferden in der berühmten Schlacht von Haifa während des Ersten Weltkriegs.

Übrigens: Die Bewegungen der indischen Tanzpferde basieren bis heute auf den Künsten der Kriegsführung, die den Pferden schnellste Wendungen abverlangte und bewusste Tritte mit den erhobenen Vorderbeinen, um ihre teils übergroßen Gegner zu bezwingen.

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3. Chetak – Denkmal für einen außergewöhnlichen Marwari

Ein Denkmal in Udaipur erinnert noch heute an die Heldentat des Marwari-Pferdes Chetak. Der Hengst soll in jeder Beziehung einzigartig gewesen sein. Sein Fell schimmerte blau – und er war aggressiv und arrogant. Laut Legende unterwarf er sich nur einem einzigen Menschen – Maharana Pratap, dem König von Mewar in Rajasthan. Dabei wird gesagt, dass Chetak derjenige war, der den König wählte – und nicht umgekehrt.

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Um den Hengst ranken viele Legenden. Eine sagt, dass er eine drei Meter hohe Wand erklomm – mit einem gebrochenen Bein! Seinen Ruhm erlangte er jedoch während der Schlacht von Haldighati am 21. Juni 1576. Damals kämpfte Maharan Pratap gegen den Mogulkaiser Akbar.

Während des Kampfs wollte der indische König den Kommandanten der kaiserlichen Mogularmee töten. Der saß auf einem Elefanten. Und Hengst Chetak griff an, legte seine Vorderhufe auf den Elefantenrüssel, damit der König seine Lanze werfen konnte. Die verfehlte jedoch ihr Ziel und tötete den Elefantentreiber. Daraufhin ging der Elefant durch, sein Stoßzahn durchstieß das Hinterbein von Chetak – und auch der König wurde verwundet.

Ein Helfer des Königs nahm in diesem Moment seine Krone und galoppierte mit ihr auf dem Kopf davon, um den Feind in die Irre zu führen. Chetak nutzte die List, um seinen König in Sicherheit zu bringen. Er lief nur noch auf drei Beinen, aber er schaffte es, den König über einen Fluss in Sicherheit zu bringen. Erst dann brach Chetak zusammen und starb unter dem weinenden Blick von Maharana Pratap.

Heute sind viele Geschäfte, Restaurants und sogar ein Roller nach ihm benannt. Dazu wird Chetak jedes Jahr gefeiert. Die Menschen besuchen sein Denkmal in Haldighati. Es soll genau an der Stelle gebaut worden sein, an der das Pferd gestorben ist.

4. Die Ohren sind (fast) einmalig

Ein unverkennbares Merkmal der wenig anspruchsvollen Wüstenpferde? Ganz klar: ihre Ohren. Sie sind sichelförmig nach innen gebogen. Woher diese Form kommt, ist nicht genau geklärt. Eine Mutation soll diese einzigartige Form hervorgerufen haben. Und da es früher eine sehr strenge Zucht mit nur wenigen Pferden gab, hat sich die Ohrform, die auch an ein Herz erinnert, weitervererbt. Heute, so heißt es, wird dieses typisches Merkmal noch gefördert, in dem man den Fohlen oft ausgiebig die Ohren massiert.

Diese extrem gebogenen Ohren sind einzigartig. Okay – fast. Denn tatsächlich kommen sie noch bei einer anderen Rasse vor – den Kathiawari-Pferd, einem nahen Verwandten der Marwaris.

5. Durch Briten vom Aussterben bedroht

Als die Briten die Herrschaft über Indien übernahmen, bedeutete das beinahe das Aus für die stolzen Marwaris. Denn den Briten waren diesen Pferde zu schlank, zu temperamentvoll – kurz: zu unbritisch. Stattdessen ließen sie australische Pferde mit dem Schiff nach Indien bringen. Diese Pferde vertrugen das Klima, waren schnell, kräftig – und auch billig.

In dieser Zeit durften die indischen Fürsten auch keine eigenen Armeen mehr unterhalten. Und damit brauchten sie auch keine Marwaris mehr. Stattdessen passten sie sich den Briten an und holten sich englische Vollblüter und australische Pferde. Dadurch gab es immer weniger reinrassige Marwaris.

Nach der Unabhängigkeit Indiens schien ihr Schicksal endgültig besiegelt. Der Marwari galt plötzlich als Symbol des verhassten Feudalismus. Und so wurden tausende Hengste kastriert oder als Arbeitspferde in die Dörfer gegeben. Die Zucht wurde vernachlässig und die Marwari-Pferde in alle Winde zerstreut. Die Rasse schien am Ende und dem Aussterben nah.

Erst vor rund 100 Jahren gab es ein Umdenken. Zum Erhalt der Rasse wurde in den 1930ern sogar ein Exportverbot erlassen. Die letzten Marwaris sollten in Indien bleiben, damit ihr Fortbestand gesichert ist. Heute erlebt der Marwari eine Renaissance. Auch dank des Tourismus und der Eignung der Marwari-Pferde als Distanz- und Trailpferde werden sie heute wieder vermehrt gezüchtet. Dazu sind sie bei vielen Zeremonien ein Hingucker. Mittlerweile gelten sie wieder als zu schützendes Kulturgut.

6. Der Kauf steht noch heute in den Sternen

Mal eben schnell einen Marwari kaufen? Das geht nicht! Wenn die Nachfahren der Rajputen ein Marwari kaufen wollen, überlassen sie auch nichts dem Zufall. Ein Priester guckt auf den Stand der Sterne – und empfiehlt dann ein Kaufdatum.

Und auch der größte Marwari-Markt findet nicht irgendwann statt. Er richtete sich ebenfalls nach den Sternen. Genauer: nach dem Mond. Der Markt findet immer im November statt, wenn der erste Vollmond am Himmel steht. Dann kommen Millionen Inder in den Wüstenort Pushkar.

Wird ein Pferd gekauft und in sein neues Zuhause gebracht, betet der Besitzer für dessen Gesundheit. Danach wird das Pferd mit einem gesegneten Blumenkranz geschmückt und erhält ein Begrüßungsmahl.

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Übrigens: Schwarze Pferde haben es in Indien schwer. Aufgrund ihrer Fellfarbe gelten sie als unglücklich. Besonders begehrt sind Marwaris mit vier weißen Füßen und eine Blesse. Sie sollen nämlich dem Besitzer das Fünffache an Glück bringen.

7. Marwaris gibt es mit vier Gangarten

Viele Marwaris verfügen über eine vierte Gangart, den sogenannten Revaal. Das ist ein lateral verschobener Tölt, der sehr bequem zu sitzen ist und sowohl langsam als auch schnell gelaufen wird. Übrigens: Besonders häufig findet man ihn bei Pferden, die in der Wüste geboren und aufgewachsen sind.

Tags: Marwari

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Author: Francesca Jacobs Ret

Last Updated: 02/02/2023

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